Zusammenfassung
Hintergrund und Ziel der Arbeit
Bei der Behandlung chronischer funktioneller Schmerzen im Kindes- und Jugendalter nimmt international sowohl die Anzahl an diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen als auch ihre Invasivität zu. Studienziel ist die Erforschung der vor Beginn einer spezialisierten stationären Schmerztherapie durchgeführten, die pädiatrischen Patienten potenziell gefährdenden Maßnahmen in Deutschland.
Material und Methoden
In einem retrospektiven Studiendesign wurden Patientenakten eines tertiären Kinderschmerzzentrums der Jahre 2004, 2008, 2012 und 2016 ausgewertet (N = 585). Neben diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen wurden primäre Schmerzparameter und Patientencharakteristika erfasst. In einer interdisziplinären Expertenumfrage (N = 13) wurden die Invasivität, das Risiko und die psychische Belastung von Maßnahmen bewertet.
Ergebnisse
Diagnostische und medikamentöse Maßnahmen nehmen bis 2012 zu. Ab 2012 lässt sich ein abnehmender Trend erkennen (χ2(3) = 11,708; p = 0,008). Die Invasivität (χ2(3) = 13,342; p = 0,004), das Risiko (χ2(3) = 13,135; p = 0,004) und die psychische Belastung (χ2(3) = 14,403; p = 0,002) durchgeführter Maßnahmen zeigen ein gleiches Veränderungsmuster. In der Gesamtstichprobe sind Patienten mit Bauch- oder Gliederschmerzen besonders gefährdet für hoch invasive und sehr risikoreiche Diagnostik.
Diskussion
Eine Zunahme diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen bei funktionellen Schmerzstörungen lässt sich nur bis 2012 beobachten. Bei bestimmten Patientengruppen kommen invasive, risikoreiche und die Psyche stärker belastende Maßnahmen häufiger zur Anwendung.